Grundeinstellung eines Compoundbogen: die Visierung

Tips und Tricks vom Profi

Axel Roth, Leiter des Bogensportzentrum Hochrhein, Roth Bogensport,  B-Trainer Bogen des DSB und Elite Archery Pro Staff

 

Teil 2, die Visierung

Heutzutage gibt es Visiere in verschiedenen Preiskategorien und Ausführungen. Die Preise differieren von € 40,- für ein halbwegs gutes Recurvevisier bis zu € 430,- für ein absolutes Spitzenmodell.

Man sollte sich vor dem Kauf Gedanken machen für welchen Zweck man das Visier braucht.
Bei einem Kind oder Jugendlichen, die Ihre Hobbies öfter wechseln, macht es vielleicht noch nicht so viel Sinn ein extrem teures Visier anzuschaffen.
Ein Erwachsener der sich eine Bogenausrüstung zulegt, sollte sich überlegen etwas besseres zu kaufen, da ein gutes Visier , bei etwas Pflege, ein Leben lang hält.

Die prinziepielle Auswahl unterscheidet sich nach folgenden Kriterien :

Bogenart: Compound oder Recurve

Einige Hersteller bieten verschiedene Stabilitätsstufen an.
Bei einem Kindercompound mit wenig Zuggewicht oder einem Recurvebogen kann ein
“ leichteres“ Visier verwendet werden, im Compoundbereich mit höheren Pfundzahlen muss unbedingt die “ schwere“ Version gewählt werden.
Einige Compoundbogen haben immer noch einen sogenannten “ Handschock“, den der Schütze aber eventuell in der Bogenhand nicht wahrnimmt, der aber auf das Mittelteil sehr stark einwirkt.
Dadurch entstehen Kräfte die so stark sind, dass sie reihenweise Scopestangen abbrechen.
Fa. Beiter , ein namhafter Hersteller von Scopegehäusen, tauscht jedes, durch den normalen Gebrauch, beschädigtes Scope 1 Mal aus, ohne dass der Kunde dafür etwas bezahlen muss.
Man führt Buch darüber welcher Bogen mit welchem Zuggewicht den Schaden verursacht hat.
Dadurch hat man bei der Fa. Beiter einen sehr guten Überblick welche Bögen am meisten Schaden am Material verursachen.
Ihr würdet euch wundern welcher Bogenhersteller mit Abstand an der Spitze steht …….

 

Pfundzahl / Lbs

Auf einem Compoundbogen der mit z.B. 40 lbs geschossen wird, kann jederzeit, ohne Probleme, auch ein hochwertiges Recurvevisier verwendet werden.

 

Wettkampfklassen ( IFAA )

In den verschiedenen Wettkampfklassen müssen im Compoundbereich verschiedene Visierarten geschossen werden.
In der Bowhunterklasse muss ein Pinvisier verwendet werden. Es müssen mindestens 4 Pins eingebaut sein und es darf kein Vergrösserungsglas verwendet werden. Nach Änderung der Regeln 2016,
darf nun auch eine Wasserwaage eingebaut sein.
Desweiteren müssen die Pins von der Seite angeordnet sein.
Es gibt einen sehr guten Hersteller bei dem die Pins von unten ins Scope eingeführt sind und hintereinander angeordnet sind. Bei solch einem Visier muss der Bogenschütze aber dann automatisch
in der Freestile Unlimited Klasse antreten, da man von einer weiteren Zielhilfe spricht.

 

Wettkampfdisziplin

Wenn man vorhat mit dem Bogen an einer Disziplin im Gelände teilzunehmen, muss man sich unbedingt für ein Visier entscheiden, bei dem es möglich ist auch die 3. Achse am Visier einzustellen,
da man sonst bei Bergauf,- oder Bergabschüssen extreme Probleme hat.
Wenn man “ nur “ in der Halle oder auf dem Sportplatz schiesst ist ein Visier mit nur 2 einstellbaren Achsen ausreichend.
Sollte ein Anfänger noch nicht genau wissen welche Disziplien in Zukunft die richtige für ihn ist, würde ich generell zu einer Verstellbarkeit aller 3 Achsen tendieren.

Die meistverkauftesten bei uns, Roth Bogensport, sind Visiere der Fa. Shure loc da sie von den Topprodukten mittlerweile die günstigsten sind.

Wenn ihr allerdings etwas unverwüstliches wollt solltet ihr euch für die Produkte der Firma CBE entscheiden. Hier findet ihr alles was das Herz begehrt vom Jagdvisier bis zum High End Produkt
mit Scope ,perfekten Linsen und allen notwendigen Anbauteilen.

 

Das Scope

Auch hier gibt es Unterschiede die gravierend sind.
Vom Scope für € 15,- bis zu Spitzenprodukten inklusive Vergrösserungslinse für € 600,-.
Dafür erhält man dann aber auch eine speziell gefertigte Linse in Feinstoptik ( was man in China noch nicht so ohne weiteres produzieren kann ) der Fa. Swarowski.

Für den Kinder und Jugendbereich gibt es einfache Scopegehäuse mit einem Leuchtpin in der Mitte,
was erst einmal völlig ausreichend ist.

Für Erwachsene und Schützen die etwas „ Solides „ möchten, produziert die Fa. Beiter Scopegehäuse, in 2 verschiedenen Grössen die man mit oder ohne Vergrösserungsgläser, Linsen, verwenden kann.
Diese Scopes sind in transparent, schwarz, lila, rot, blau und grau erhältlich.
Zu einem Preis von ca. €150,- inklusive einer Linse, in Zeissqualität, hat man hier ein sehr gutes
Preis/ Leistungsverhältnis.
Dieses Scope wird von sehr vielen Spitzenschützen mit sehr guten Erfolgen benutzt.

Ein Topprodukt ist auch das Scope der Fa. Srewd, die gute Linsen, auch in Zeissqualität und viele Anbauteile wie Sonnenschutz, Verlängerungen und Leuchtpins bis 8 mm anbieten.

Ein exclusives Produkt in perfekter Qualität bietet die Fa. Sure Loc, die ein Scopegehäuse mit 2 aufeinandergeklebten Linsen der Fa. Swarowski anbietet.
Auch die dazu in 2 Stärken erhältlichen Leuchtpinfäden bieten eine sehr hohe Leuchtkraft und werden sehr oft von Topschützen aus aller Welt verwendet. Hier liegt der Preis komplett bei ca. € 600,-

Ich verwende auch hier hauptsächlich Produkte der Firmen CBE und Shrewd da mir diese, auf meine
altersbedingte Sehstärke, die besten Möglichkeiten bieten.

 

Montage und Einstellung

Nun gehen wir davon aus , dass ihr eure Lieblingsvisierung gefunden habt und diese jetzt an den Bogen montiert.

Dazu schraubt Ihr zuerst die Visierhalterung in die bereits am Bogen vorgebohrten Gewindelöcher.
Sollte Farbe in der Bohrung sein, manche Hersteller arbeiten nicht so genau in diesem Bereich, schneidet man am Besten das Gewinde mit dem passenden Gewindebohrer etwas nach, um die Farbe zu entfernen.
Ein zu schwergängiges Gewinde kann zum Bruch der Schraube führen und wer dies schon einmal erlebt hat, weiss wieviel Freude man daran hat eine abgebrochene Schraube aus dem Mittelteil zu entfernen. Aber Vorsicht ! Es handelt sich generell um Zollgewinde, auch bei deutschen Herstellern.

Beim Anschrauben kann man eine leichte Schraubensicherung, z.B. Loctite, verwenden, allerdings sollte ein Produkt verwendet werden,welches sich auch wieder ohne Probleme öffnen lässt.

Das erste was ihr nun macht ist die Rechts,- / Linkseinstellung des Scope nach den Massen des „eingemessenen“ Centershots. ( es gibt auch einen „ dynamischen Centershot“, darüber reden wir aber erst zu einem andren Zeitpunkt , zum Thema Feintuning. )
Dies könnt ihr auch mit einem „Laserpfeil“ machen oder durch eine einfache Sichtkontrolle.

Wenn Ihr diesen Punkt erledigt habt kommen wir nun zum wichtigsten Teil der Visiermontage,
der Einstellung der 3 Visierachsen.
Dazu spannt man den Bogen in einem Bogenmontagehalter ein. Auch hier bietet die Fa. Beiter ein perfektes Produkt an.

Mit Hilfe einer Wasserwaage die an meinem Referenzpunkt, dem Mittelteil des Bogens, angebracht wird. Hiermit kann ich den Bogen senkrecht ausrichten. Ich arbeite immer mit senkrechten und waagerechten Linien. Eine etwas neuere Studie sagt, dass man das selbe auch „ schräg“ machen kann,wenn der Schütze eine schräge Bogenposition beim Schiessen bevorzugt. Meiner Meinung nach funktioniert die „ schräge Wohlfühleinstellung nur wenn ich dann auch die Pfeilauflage schräg einstelle, parallel mit der Bogenhaltung.Aber ich denke diese >Diskussion geht hier an dieser Stell zu sehr ins „ Eingemachte „.
Also zurück zur senkrechten Einstellung der Visierachsen.

Mit speziellen Wasserwaagen der Fa. Hamskea Archery habe ich persönlich die besten Erfahrungen gemacht.
Wer von euch die Videos der Proarchery Serie von 2013 in Müllenborn verfolgt hat, kann deutlich bei meinem ersten Bergabschuss an der Kamerascheibe sehen,dass ich beim Einstellen mit einem anderen Produkt nicht so viel Erfolg hatte.

Ein perfekter sechzig Meter Schuss traf den Spot auf einer perfekten Höhe, allerdings rechts in der 3. Durch deutliches Verstellen des Visier nach rechts gelang es mir dann beim 4. Schuss endlich im Spot anzukommen, was mich an dieser Scheibe 4 Ringe kostete. „Mann“ lernt nie aus….“Frau“ übrigens auch nicht…..

Die zweite Wasserwaage wird am senkrechten Visierschlitten angebracht. Damit kann die 1. Achse des Visier eingestellt werden, was sehr wichtig ist um bei 20 m Entfernung und 70 m Entfernung keine rechts / links Abweichungen zu haben.

Wenn diese Achse eingestellt ist wird die Wasserwaage am Scope geprüft und auch diese gleich wie die anderen beiden eingestellt.Das war nun die 2. Achse der Visierung.

Mit dieser Scopewasserwaage prüfe ich später beim Schuss, ob der Bogen senkrecht steht um ein rechts / links Kippen der Pfeilauflage zu vermeiden.

Nun kommt die 3. Achse, welche sehr wichtig ist für Bergauf,- und Bergabschüsse.
Sollte euer Trefferbild bergab rechts und bergauf links liegen , dann ist das ein Zeichen dass eure 3. Achse nicht stimmt.

Zum Einstellen dieser Achse verwende ich meine mobile Bogenpresse der Fa. Seeger. Mit dieser ist es möglich den Bogen im ausgezogenen Zustand nach unten oder oben zu kippen und zu fixieren um am Bogen arbeiten zu können.
Ihr könnt natürlich auch den verstellbaren Bogenhalter nehmen um den Bogen zu kippen.

Hierzu werden nun die beiden Haemsky Wasserwaagen „ins Wasser“ gestellt um damit die Scopewasserwaage im gekippten Zustand zu überprüfen. Es wäre Zufall wenn sie auch in der Mitte stehen würde. Um diese einzurichten, schiebe ich das Scope in der 3. Achse zum Bogen hin oder vom Bogen weg, bis die Luftblasen in den Libellen der 3 Wasserwaagen gleichmässig und gleichzeitig in der Mitte stehen.
Danach wird die 3. Achse fixiert.

Die Einstellung der 3. Achse mit dieser Methode ist eine Grundeinstellung. Generell sollte jeder Schütze diese noch einmal durch Schiessen, bergauf und bergab für sich persönlich überprüfen, da durch verschiedenen Druck der Bogenhand das Mittelteil, und somit die Pfeilauflage etwas verdreht werden kann, und somit zu einer individuellen Einstellung auf den Schützen führt was dann noch einmal eine geringfügige Veränderung der 3. Achse benötigt.

Am Schluss nocke ich noch einmal einen Laserpfeil in den Bogen ein und kann damit den Pin oder Klebepunkt des Scope mit Sehne und Pfeilauflage parallel mittig einstellen.

Somit habe ich nun die gesamte Grundeinstellung des Bogens fertig, den sogenannten
„eingemessenen“ Centershot.

Solltet Ihr Fragen oder Anregungen zu diesem Bericht haben, könnt ihr gerne einen Kommentar unter diesen Bericht posten.

Have fun and enjoy your shooting,

Axel Roth

Sende eine Antwort zu „Grundeinstellung eines Compoundbogen: die Visierung“

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

© 2017 Roth Bogensport